Netflix: Konkurrenz für TV und nationale Streaming-Dienste

Netflix: Konkurrenz für TV und nationale Streaming-Dienste

Eine gute Nachricht für Film- und Serienfans, jedoch eine schlechte für deutsche Streaming-Anbieter, verkündete kürzlich der US-Marktführer Netflix. Wie er mitteilte, wird er noch in diesem Jahr seinen Video-on-Demand-Dienst in Deutschland anbieten.

Was das im Endeffekt für Streaming-Anbieter wie Maxdome und Watchever heißen wird, kann noch nicht vorausgesagt werden. Jedoch erhält der deutsche Markt einen ernstzunehmenden Konkurrenten, der bereits weltweit über 50 Millionen Kunden zufriedenstellt.

Was kann Netflix?

 Netflix hat sich gänzlich dem Film- und Serien-Business gewidmet und steht in Kennerkreisen bereits als Synonym für Streaming. Doch das war nicht immer so. Nachdem Netflix zunächst als Videothek zur Verfügung stand, verwandelte CEO Reed Hastings es zu einem DVD-Abodienst und später zu dem heute bekannten Streaming-Dienst. Hastings setzt seinen Fokus außerdem auf die Vermarktung von Rechten und Produktionsstudios.

Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten bietet Netflix auch Exklusivproduktionen an, wie beispielsweise „House of Cards“ mit nennenswerten Hollywood-Schauspielern (u.a. Kevin Spacey). Ob die Webserie auch mit der Einführung hierzulande zu sehen ist, bleibt fraglich, da sich zunächst der Bezahlsender Sky die Rechte für die deutsche Erstausstrahlung gesichert hat. Erst nach Ablauf einer sechsmonatigen Frist steht es aktuell Netflix frei, ihre eigenproduzierte Serie im Web auszustrahlen.

Zudem bietet Netflix seinen Usern auf sie zugeschnittene Inhalte mittels Big Data und Algorithmen an, um ihnen durch Empfehlungen maximalen Nutzen anzubieten. Neben den üblichen Endgeräten wie Tablets und Smartphones ermöglicht Netflix das Streamen auch auf den gängigsten Spielkonsolen.

 Wer sind die größten Konkurrenten von Netflix?

Amazon Prime Instant Video

 Neben der üblichen Premium-Mitgliedschaft Prime haben Amazon-Kunden mit Instant Video permanenten Zugriff auf Serien und Filme. Das Angebot ist bei aktuellen Titeln eher rar, sodass sich hier nur gegen Aufpreis neue, aktuelle Serien und Filme streamen lassen. Wer jedoch auf Klassiker steht, kann mit Instant Video nichts falsch machen.

Android-User können indes nicht mittels App auf die Inhalte zugreifen; das ist bislang nur iOS-Anwendern vorbehalten. Offline Filme und Serien zu schauen ist per Download möglich, aber nur für diejenigen, die ein Kindle-Endgerät besitzen.

Instant Video kann im Jahr mit einer Prime-Mitgliedschaft erworben werden und ist mit 49 Euro das günstigste Angebot. Der Vorteil: User erhalten nicht nur einen Streaming-Dienst, sondern auch kostenfreien Versand vieler Artikel und e-Books aus der Kindle-Leihbücherei.

Maxdome

Die ProSiebenSat. 1 Media AG bietet mit ihrem Streaming-Dienst Maxdome nicht nur aktuelle Filme und Serien, sondern auch Produktionen der Sendergruppe sowie Musikvideos an. Neben dem Ausleihen steht Kunden auch der Kauf aktueller Titel zur Verfügung, in HD oder im Original.

Aktuell bietet Maxdome das größte Angebot (50.000 Titel für Abonnenten, 60.000 ohne Abo) unter den deutschen Anbieter an. Wer sich für ein Abo entscheidet, zahlt hierfür 7,99 Euro im Monat.

 Watchever

Wer Serien liebt, ist bei Watchever am besten aufgehoben – hier werden nicht nur Klassiker angeboten, sondern auch Top-Serien wie “Breaking Bad”. Blockbuster-Fans kommen zwar auf ihre Kosten, werden aber vergeblich nach den besten und neusten Filmen schauen. Zu Streamen sind die Dienste über gängige Smart TVs, Tablets, PCs und Macs. Auch offline lassen sich Videos mühelos über iPad und Co. im entsprechenden Modus anschauen. Kostenpunkt pro Monat: 8,99 Euro.

Tipp: Bevor sich für ein Angebot entschieden wird, sollte die bei allen Anbietern 30 Tage kostenlose Mitgliedschaft getestet werden, um zu schauen, welches Paketbündel zu einem passt.

Was bedeutet Netflix für die deutsche Fernsehlandschaft?

Ich denke, dass Netflix zu einer noch stärkeren Umorientierung der deutschen TV-User sorgen wird, sodass die Fragmentierung des Bewegtbildmarktes beschleunigt fortschreiten wird.

Content für Netflix zu produzieren kann aber nur funktionieren, wenn die Inhalte international relevant sind und weltweit über sämtliche Plattformen vertrieben werden können. Hierzu müssen zwangsläufig Allianzen entstehen, die dazu dienen können, a) Relevanz für andere Märkte zu erzielen und b) Revenue Streams in den Kooperationsländern direkt mit in die Refinanzierungsfantasie aufzunehmen.

So gerne ich auch meine Muttersprache Deutsch spreche und vor allem anwende, ist sie doch alles andere als Relevanz erzeugend. Daher müssen wir deutschen Produzenten strenggenommen auch nicht darüber nachdenken, in der digitalen Welt deutsche Inhalte anzubieten. Vielmehr muss sich ausschließlich auf die relevanten Sprachen in den Territorien USA, Lateinamerika und Asien konzentriert werden.

Kurzum: Englisch sollte die erste Sprache sein, in der wir denken, fühlen und kreieren.

Die deutschen TV-Anbieter haben zwar mit ihren 7 Days/30 Days-Catch Up damit begonnen, ihre Sendungen im Web auch nach der ersten Ausstrahlung anzubieten, jedoch müssen Sender wie auch Produzenten ihre Hemmungen “günstig” zu produzieren ablegen. Der Preis für eine Produktion wie „House of Cards“ ist sicherlich in der ersten Staffel – relativ zu sonstigen US-Serienproduktionen – unter dem Durchschnitt gewesen, jedoch war der Ansatz internationale Stars und einen relevanten Plot zu implementieren meines Erachtens der Richtige. Wer Fan der Webserie ist, sah dann auch schon in der Folgestaffel einen höheren Aufwand in der Struktur und Auswahl der Drehorte. Es zeigt sich hier ein Investment in Value und am Ende eine steigende Relevanz für die Auslandsverwertung.

Das Ganze wirkt sich am Ende positiv für die Marke Netflix aus. Wenn Netflix nun auf den deutschen Markt kommt, muss man nicht mehr erklären, wer Netflix ist, sondern kann das Geschäftsmodell ausrollen und sich hoffentlich auch deutschen Produzenten öffnen. Dabei werden neue Allianzen entstehen, bei denen auch die Sender in Deutschland ihre Geschäftsmodelle neu überdenken werden müssen.

Der klassische User von digitalem Content ist auch darauf aus, dem TV-Einheitsbrei zu entgehen und andere Dinge zu konsumieren. Von großer Wichtigkeit ist aber auch sein Wunsch, TV  immer mehr mitzugestalten und ein Teil des TV-Erlebnisses zu werden.

Mit dem Quizduell für den ARD-Vorabend hat ITV Studios Germany und die ARD gemeinsam einen kleinen Schritt in die richtige Richtung unternommen, in dem sie die Zuschauer fest in den redaktionellen Inhalt integriert haben. Die Zuschauer waren dabei in der Lage durch aktives Handeln den Ablauf und nicht zuletzt auch den Ausgang mitzubestimmen. Der Anfang war etwas holprig, aber wer nicht bereit ist Fehler zu machen, wird kein Teil der Zukunft werden.

Die Zukunft mit Netflix wird mit Sicherheit noch etwas an Fahrt aufnehmen und die Abläufe von Idee bis zur Prämiere nur für diejenigen nachvollziehbar erscheinen lassen, die bereit sind, immer mehr Kraft und unternehmerische Intelligenz in Innovation zu stecken.

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