Fußball digital – neue Funktionen zur WM 2014
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Fußball digital – neue Funktionen zur WM 2014

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 ist erfolgreich gestartet und die Spieler überzeugen in Brasilien mit Teamgeist, Stärke und Können. Als großer Fußball-Fan ist es für mich ein Muss, jedes einzelne Spiel im Web oder TV zu verfolgen. Obwohl ARD und ZDF schon vor Beginn der WM auf ihre Sport-Apps aufmerksam gemacht haben, hatte ich bislang kein großes Verlangen die Applikation für Smartphone und Tablet herunterzuladen. Doch wie es meist am Ende ist, siegte die Neugier.

Bevor ich zu meinem ausführlichen Fazit komme, schon vorab ein kurzes: Ich bin absolut begeistert, wie mithilfe eines Second Screens, also der Nutzung eines zweiten Bildschirms neben dem aktuell laufenden TV-Programm, meist in Form eines Tablets oder Smartphones, ein neues Erlebnis geschaffen wird – Fußball hat mit der WM 2014 eine neue Dimension bekommen.

Kurz und knapp: Was können die Apps von ARD und ZDF?

Erstmals in der Fußball-WM-Geschichte kann der Zuschauer zum  Regisseur werden. Alles was er dafür braucht, ist ein Smartphone oder Tablet und die dazugehörige App von ARD oder ZDF. Beide Applikationen sind für Android und iOS verfügbar und können kostenlos heruntergeladen werden:

“Sportschau FIFA WM APP” für iOS -> leider nicht mehr Verfügbar

“Sportschau FIFA WM APP” für Android -> leider nicht mehr Verfügbar

“ZDFmediathek” für iOS

“ZDFmediathek” für Android

Mit den Apps können alle Spiele beim jeweiligen Sender live verfolgt werden. Doch das Beste daran: der Zuschauer hat die Möglichkeit aus bis zu 20 Kameraperspektiven auszuwählen und kann somit selbst bestimmen, welche Highlights und Spielszenen er in diesem Moment sehen will. Außerdem können Szenen, die bei der TV-Übertragung nicht gezeigt werden, angeschaut und Zusatzinformationen herangezogen werden.

Übersicht: Sportschau FIFA WM App

ARD

Screenshot: www.sportschau.de

  • Eigene App, eigens entwickelt für die Fußball-WM
  • Livestream möglich
  • Mit mobilen Endgeräten überall verfügbar
  • Immer up-to-date dank tagesaktueller Fußball-Nachrichten und -Videos
  • Highlights aller Spiele abrufbar
  • Statistik-Service, beispielsweise zum Vergleich zweier Spieler
  • Zuschauer kann aus 20 verschiedenen Kamerapositionen auswählen

Übersicht: ZDFmediathek

ZDF

Screenshot: www.zdfsport.de

  • Überarbeitete App mit Ergänzung um “MyView”
  • Livestream möglich
  • Mit mobilen Endgeräten überall verfügbar
  • Aktuelle News, beispielsweise rund um die DFB-Elf
  • Social Media-Integration
  • Ebenfalls bis zu 20 Kameraperspektiven auswählbar

ARD und ZDF haben einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft getan. Die Öffentlich-Rechtlichen geben ein gutes Beispiel ab, Fernsehen und Großveranstaltungen in ein multimediales Ereignis zu verwandeln – und das mit Erfolg. Andere TV-Anstalten müssen nachziehen und Zuschauern die Informationen geben, die sie neben den üblichen Bewegbildern wünschen. Doch ich war zunächst skeptisch, weil ich Fußball am Bildschirm genießen und mich live vor Ort mit Familie und Freunden austauschen möchte statt mich von einem Second Screen ablenken zu lassen. Ich muss aber gestehen, dass die Entwickler der App und der hinterlegten Übertragungstechnik ein kleines Wunderwerk geschaffen haben, in der in Echtzeit eine Übertragung in absoluter Stabilität und Feinheit stattfindet.

Die App ist natürlich nicht für den Biergarten konzipiert, hat meines Erachtens aber selbst dort Vorteile. Leidige Diskussionen, ob es tatsächlich ein Foul oder der Ball eindeutig im Tor war etc., haben dank der neuen Technik ein Ende genommen. Und selbst wenn die internationale Regie die entscheidenden Bilder nicht mehr wiederholt, hat jetzt jeder die Möglichkeit, das selbst zu tun – egal ob im Biergarten oder an einem anderen Ort.

So benutzerfreundlich und technisch gut gelöst die App von ARD auch ist, sollten Applikationen nicht nur in Form von Inhalten für einen begrenzten Zeitraum angeboten werden, sondern auch dauerhaft zur Verfügung stehen. Daher ist die Umsetzung der ZDF-App besser durchdacht, da sie auch außerhalb der WM Anwendung finden wird und die Nutzer auf das Video-Angebot des Senders zugreifen können. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Konzept weiter ausgebaut werden kann. Vor allem von den Öffentlich-Rechtlichen. Stellen wir uns beispielsweise vor, dass als nächstes die Bundestagswahl ansteht – mit geeigneter Kameratechnik und den richtigen Applikationen, könnten sich Anwender live in das Wahlstudio “einwählen” und die Geschehnisse im Studio auch außerhalb der üblichen Berichterstattung miterleben.

Ebenfalls stelle ich mir vor, dass ich den brasilianischen Karneval, zum Beispiel in Salvador, einer der Austragungsorte der FIFA WM 2014, live mitverfolge. Mit einem Video-Livestream könnte ich mir ein genaues Bild vom Straßenkarneval machen und mit Freunden vor Ort kommunizieren. Sollte mir der Karneval in Salvador nicht zusagen, wähle ich einfach einen anderen Austragungsort, weil ich die Stadt beispielsweise schon besucht habe und das dortige Feeling kenne. Auch eine Art 24-Stunden-Übertragung wäre machbar und jeder hätte dann die Option, das Erlebnis des weltweiten Karnevals mitzuverfolgen.

Jeder hat dabei seine eigene Vorstellung. Doch wenn Fernsehen, Social Media und Multimedia vereint werden, haben auch wieder mehr Menschen Lust auf TV. Wenn das umgesetzt wird und eine bestimmte Masse an Menschen ihre Interessen mit anderen teilen, kann die Produktion starten und wir erleben echtes Crowdsourced TV.

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