Social TV – eine Frage der Definition

Social TV – eine Frage der Definition

Seit dem Boom des Second Screen in Form von Tablets und Smartphones wird verstärkt auf die Verknüpfung der Geräte mit dem Fernsehen gesetzt. Die Medien sprechen dabei von Social TV, also der Technologie, die Zuschauern ermöglicht, Zusatzinformationen per Second Screen während einer TV-Ausstrahlung zu erhalten.

Gleichzeitig jedoch mussten vor Kurzem zwei Berliner Start-ups, TunedIn und Zapitano, Insolvenz anmelden. Beide spezialisierten sich auf Social-TV-Plattformen. Dabei fand meines Erachtens viel mehr eine Konzentration auf den Second Screen und nicht auf Social TV statt. Zwar wurde der Grundgedanke aufgenommen, aber der eigentliche, der innovative, nicht.

Wie interpretiere ich Social TV?

TV wird erst dann zu Social TV, wenn wir es schaffen, eine, wie auch immer geartete Social-Community auf ihr Programm einwirken und an der Entstehung mitwirken zu lassen. Gelingt uns dies, haben wir nicht nur echtes Social TV, sondern auch die Königsklasse der Relevanzbestrebung, die uns in jeder Programmsitzung begegnet, erreicht. Diese Art von Programmen sind dann: ‘Social-Must-have’.

Man kann viele solcher Möglichkeiten aufzählen, wenn man die Kenntnis um Social Media als “Organismus” hat. Anhand eines Beispiels möchte ich die Herangehensweise veranschaulichen:

Wir geben in eine Community einen Impuls, z.B. einen Aufruf zur Mithilfe auf der Suche nach sozialen Projekten. Die zur Verfügung stehenden Mittel sind Social Media.

Hierbei sollte wirklich klar sein, dass dieses Projekt Schule machen und eine starke Bindung zum Projekt entstehen kann. Eine gewisse Anzahl von Einsendungen gehen ein und werden alle der gesamten Community zur Verfügung gestellt. Parallel zu der in der Community stattfindenden Auswahl der Themen wird eine Auswahl von aktiven Community-Mitgliedern zur Wahl in ein Programmgremium gestellt.

Dieses dann so entstandene Gremium wird im Anschluss an die Vorauswahl der Themen, die von der Community in einer Art Programmkonferenz analysiert und letztendlich festlegt werden, entscheiden, welches Thema umgesetzt werden soll. Diese Programmkonferenz wird über Google Hangouts für alle öffentlich abgehalten und durch Fragen sowie Anregungen aus der Community ständig geleitet.

Google Hangouts

Google Hangouts

Nach Abschluss dieses Prozesses steht ein Thema, das dann in öffentlich einsehbaren Räumen (Google Drive oder ähnliches) bearbeitet wird. Dieser Bearbeitungsprozess ist ständig einsehbar und kann in eigens für die Bearbeitung eingerichteten Kreisen auf Google+ kommentiert und ebenfalls beeinflusst werden. An der Stelle des Prozesses, an der das Konzept entsteht, sind in jedem Fall Profis am Werk, da am Ende des Tages redaktionell sinnvoll und hochwertig produziert werden sollte. Dies heißt aber nicht, dass die “Nicht-Profis” eine weniger entscheidendere Rolle bekommen – sonst ginge die Relevanzluft hier auch schnell wieder raus. Der Einsatz der Profis dient einzig und allein dem professionellen Aufbau und der ausgewogenen und ganzheitlichen Erzählweise.

Am Ende steht ein Projekt, das im Idealfall einen maximalen Einbindungsgrad mit höchster Relevanz für die Community verbindet.

So könnte ein solches Produkt aussehen:

Eric ist obdachlos gewesen und hatte durch einen fingierten Lottoschein 1.000 US-Dollar gewonnen, den ihm YouTube-Star Rahat schenkte. Die beiden gingen zum Kiosk, in dem der Gewinn eingelöst werden konnte. Die Szene wurde auf Video aufgenommen, anschließend auf YouTube veröffentlicht und hat großen Zuspruch gefunden. Nach millionenfachen Aufrufen ging Rahat einen Schritt weiter und startete ein Crowdfunding-Projekt,in dem Spenden für Eric gesammelt wurden.

Eric's Fundraising

Eric’s Fundraising

Binnen kürzester Zeit wurden mehrere Zehntausend US-Dollar gesammelt – Rahat überraschte Eric daraufhin ein zweites Mal und schenkte ihm, finanziert durch die Spendengelder, ein eigenes Zuhause.

Ich denke, dass Social TV in seiner Reinform natürlich eine Chance hat. Jedoch nur dann, wenn es uns gelingt, wichtige und für die User verständliche Parameter einzuführen, die uns professionelle Fernsehmacher in die Lage versetzt, hochwertige Programme herzustellen.

Relevanz entsteht jedoch doch nur, wenn eine kritische Masse feststellt, dass sie Themen für relevant hält und dies natürlich, in unserem hier besprochenen Fall, im Hinblick auf TV-Inhalte.

Die Plattform, auf der diese so generierten Social-TV-Inhalte im Anschluss zur Verfügung gestellt werden, kann eine der klassischen Sender sein. Nur denke ich, sind nicht alle Themen für die Ausstrahlung auf den etablierten Plattformen geeignet, da dort eventuell programmpolitische oder betriebswirtschaftliche Hintergründe die Umsetzung beeinflussen könnten. Die Auswahl der Plattform muss auch so getimed sein, dass diese am Ende getroffen wird. Findet sich kein Sender, der das so hergestellte Programm ausstrahlen will, muss eine Plattform im Netz gefunden werden.

Die Finanzierung solcher Vorhaben ist natürlich auch ein Thema. Wie die Lösung aussehen könnte? Dazu mehr in meinem nächsten Blogartikel.

Sie möchten mehr über die Zukunft der TV-Branche erfahren?

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