Netflix – die große Chance für deutsche Produzenten

Netflix – die große Chance für deutsche Produzenten

Der Respekt in Deutschlands Medienlandschaft ist groß. Hier zittern seit Kurzem Video-on-Demand-Anbieter und fürchten um ihre Existenz. Grund hierfür ist Netflix – ein Video-Riese aus den USA, der 1994 als DVD-Versandverleiher (Online-Videothek) startete und 17 Jahre später in mehr als 40 Ländern vertreten ist – mit über 50 Millionen Kunden gehört er zu den größten Video-Streaming-Diensten weltweit. Nun ist der 16. September vergangen und Netflix ging hierzulande offiziell an den Start. Während sich Film- und Serienfans darüber freuen, zeigen auch die privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten immer mehr ihren Unmut.

So befürchtet beispielsweise Michael Loeb, Chef des Rechtehändlers WDR Mediagroup, dass es bei den klassischen Sendern einen Zuschauerschwund geben könnte. „Das betrifft alle“, sagt er der ‚Wirtschaftswoche‚ weiter. Den Beweis liefert die USA: hier haben Streaming-Dienste dazu geführt, dass werbefinanzierte TV-Sender in den vergangenen Jahren an Reichweite beim jungen Publikum verloren haben. Der WDR will das verhindern und plant eine eigene Internet-Plattform, auf der Nischenangebote wie Krimis und TV-Produktionen für Kinder angeboten werden sollen und schlägt damit den richtigen Weg ein. So viel hierzu.

Es verwundert daher wenig, dass Netflix zum Reizthema geworden ist und eine starke mediale Aufmerksamkeit erhält. Spiegel Online, TAZ, Bild und kleinere Presseportale – jeder schreibt über Netflix. Einige prophezeien in- und ausländischen Portalen das Ende, andere sehen Netflix als kundenfreundlichen Allrounder oder als große Chance:

“Netflix muss Eigenproduktionen für Deutschland in Auftrag geben, um sich unterscheiden zu können.“

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Und es geht weiter: Die Firma aus Übersee hat bereits vor dem Start in Deutschland angekündigt, dass sie deutschsprachige Formate produzieren wird. Netflix wird um diesen Schritt auch nicht herumkommen, wenn sie hierzulande Erfolg haben möchten, beim Publikum an Attraktivität gewinnen und sich von Watchever, Amazon Prime Instant Video und Co. unterscheiden wollen. Um dies umzusetzen, sind deutsche Produzenten unerlässlich und diese dürften von den Ängsten der TV- und Streaming-Anbieter weniger beeindruckt sein, sondern sich eher über den Markteintritt freuen – und das berechtigt.

Warum aber ist Netflix gerade für Produzenten interessant?

Netflix – Vorteile für Produzenten

  • Mit der starken Internationalisierung haben deutsche Produzenten die Chance, Inhalte für ein Publikum auch außerhalb der nationalen Grenzen zu produzieren.
  • Durch mehr zur Verfügung stehende liquide Mittel kann die Qualität deutschsprachiger Formate gesteigert und dadurch im internationalen Wettbewerb angehoben werden.
  • Kommt ein neu produziertes Format an, hat Netflix die Macht und das Geld, Formate zu internationalisieren und sie erfolgreich zu vermarkten.
  • Da Netflix in verschiedenen Ländern vertreten ist, bieten sich Co-Finanzierungsmöglichkeiten.
  • Es ergeben sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit (Co-Produktionen). Deutsche Produzenten können so beispielsweise mit amerikanischen oder englischen Produzenten zusammenarbeiten und international vermarktbare Schauspieler für Projekte begeistern.

Dass sich Produzenten und Akteure außerhalb Amerikas erfolgreich etablieren können, zeigt die selbstproduzierte Serie Lilyhammer – die Co-Produktion mit Produktionsstätten in Norwegen und den Vereinigten Staaten sowie norwegischen und amerikanischen Produzenten und Schauspielern, ist bereits in über 130 Ländern ausgestrahlt worden.

Wie wird Netflix Produzenten und Erfolgsformate ausfindig machen?

Netflix wird hierfür früher oder später Big-Data-Analysen einsetzen. Dass das aufgeht, beweist der Kassenschlager House of Cards. Netflix hatte im Vorfeld mittels Big Data herausgefunden, dass die BBC-Originalserie House of Cards ein ebenso beliebter Suchbegriff war wie Regisseur David Fincher und der Schauspieler Kevin Spacey. Netflix reagierte darauf und fing trotz finanziellem Engpass an, die Serie zu produzieren – und wie sich herausstellte mit großem Erfolg. Der Streaming-Anbieter weiß eben, was seinen Kunden gefällt – schließlich können sie die Daten all ihrer Kunden aufzeichnen und auswerten. Sie wissen somit, wann ein Zuschauer ein Video anhält, zurückspult, abbricht, welche Schauspieler, Regisseure und Co. gesucht werden. Somit entsteht eine ganz neue Art von TV – und zwar ein in Perfektion auf die User zugeschnittenes Erlebnis-USER-TV. Und der Vorteil für Netflix: sie können Eigenproduktionen mit den beliebtesten “Suchbegriffen” in Auftrag geben, selbst vermarkten, internationale Erfolge verbuchen und Abonnenten an sich binden.

“Netflix ist für Produzenten eher eine Chance und kein Fluch.“

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Das sind spannende Voraussetzungen und machen Lust darauf, Netflix nicht als Konkurrenten (in jeder Hinsicht) zu empfinden, sondern als eine Chance, die wir Produzenten nutzen sollten. International zu denken ist sicher etwas, dass wir erst in unsere Kultur aufnehmen müssen. Dennoch ist das Produzieren für einen neuen Player, wie Netflix, dessen Kultur eher amerikanisch geprägt sein sollte, eine Möglichkeit sich breiter aufzustellen. Die Grenzen, die naturgemäß von traditionellen Auftraggebern kommen, können bestimmt etwas verschoben werden, da die Entwicklung für Netflix generell “out of the box” sein muss, um für einen solchen Anbieter interessant zu sein.

Sicherlich wird sich Netflix auch etwas Zeit in die Bücher genommen haben, um mit potentiellen Produzenten Entwicklung zu betreiben – doch am Ende ist Netflix für Produzenten eher eine Chance als ein Fluch.

Mehr zum Thema: Netflix – Konkurrenz für TV und nationale Streaming-Dienste

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