YouTube scheint für viele TV-Sender noch ein Fremdwort zu sein
TV-Sender und YouTube - ein perfektes Zusammenspiel? Annette Shaff / Shutterstock.com

YouTube scheint für viele TV-Sender noch ein Fremdwort zu sein

Ein Blick auf die YouTube-Channels der privaten TV-Anstalten zeigt, dass das größte existierende Videoportal von ihnen nicht als Social-Media-Kanal und Chance wahrgenommen wird. Vielmehr sind es die Netzwerke Facebook und Twitter, die eine erhöhte Aufmerksamkeit von den Sendern und Produktionsfirmen bekommen. Dort werden auf den Timelines regelmäßig Gewinnspiele und Programmhinweise, Unterhaltsames und Aktuelles veröffentlicht. Auf YouTube ist hingegen „unterhaltsame Leere“ angesagt. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass YouTube beispielsweise auf Smart TVs und Set-Top-Boxen wie Google TV und Apple TV vorinstalliert ist und dort mühelos Inhalte gestreamt werden können.

YouTube wird von den Privatsendern nicht ausreichend genutzt

“TV-Sender: YouTube wird nicht als #SocialMedia Plattform wahrgenommen.“

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Private Sender verfügen zwar über einen YouTube-Auftritt, oftmals werden in den Kanälen und Playlisten aber lediglich Trailer zu neuen Formaten publiziert, Auszüge, Kurzinterviews, Best-ofs oder Vergleichbares. Die Öffentlich-Rechtlichen haben hingegen eine Fülle an vollständigen Formaten, die sie frei auf YouTube zur Verfügung stellen. Letzteres macht sich bemerkbar an einer Vielzahl an erfolgreichen Videos, zehntausenden bis gar über 140.000 Abonnenten und hohen Klickzahlen; Privatsender erreichen die 10.000er-Marke hingegen in den seltensten Fällen. Punkten können sie meist mit einer vergleichbaren Anzahl an Abonnenten in den einzelnen Kanälen zu Serien- und Show-Formaten – ganze Folgen werden aber vergeblich gesucht. Zwar muss hier zwischen öffentlicher und privater Institution und den damit verbundenen Rechtesituationen unterschieden werden, dennoch haben auch die werbefinanzierten Sender die Chance ihre Reichweite im Netz zu vergrößern, wenn sie Produktionen nach entsprechender Auswertung unentgeltlich auf YouTube zur Verfügung stellen – dies muss rechtlich unbedenklich sein, aber in jedem Fall können auch hier Werbeeinnahmen sowie Sponsoringerlöse erzielt werden.

Ganze Folgen gibt es indes in den Mediatheken (7-Day-Catch-Up) der TV-Sender. Hier sind Inhalte bei den Privatsendern in der Regel eine Woche nach Ausstrahlung frei im Netz verfügbar, danach verlangen die Sender bis zu 1,29 Euro oder bieten Monatsabonnements an – ein Preis, der viele Zuschauer davor zurück schrecken lässt, per Klick eine Zahlung zu bestätigen. Zwischengeschaltete Werbung auf YouTube ist im Vergleich eine niedrigere Hürde, die gerne in Kauf genommen wird, wenn qualitative und unterhaltsame Inhalte angeboten werden.

YouTube als Chance sehen und Möglichkeiten nutzen

Selbstverständlich haben TV-Sender zum einen mit eingeschränkten Rechten zu kämpfen und zum anderen haben sie Gesellschaften – respektive Plattformen – gegründet, deren Geschäftsmodelle Pay-per-View-Angebote und VOD (Video-on-Demand) sind. Nichtsdestotrotz sollten sich die Sender YouTube öffnen und zumindest die Folgen, bei denen sie über die Rechte verfügen, auf der Video-Plattform anbieten.

“Fehlende Unterhaltung – für TV-Sender ist #YouTube noch ein Fremdwort.“

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Ich denke, dass ein moderner Sender nur so die Möglichkeit nutzen kann, seine Marken einem Publikum näherzubringen, das bislang keinerlei Berührungspunkte damit hatte. Diese Marken sind es letztendlich, die eine Bindung zum Sender schaffen und nicht die Marke „Sender“ selbst. Die Frage der Refinanzierung eines Programmes, dessen Verwertungszyklus noch nicht durchlaufen ist, ist natürlich auf Senderseite zu lösen. Eine Möglichkeit könnte sein, ausschließlich Programme auf YouTube einzubinden, die bereits refinanziert sind. Die Konsequenz hierbei: es werden ausschließlich „alte Inhalte“ angeboten und ob sich das fördernd auf die Marke auswirkt, ist fraglich.

Zu guter Letzt stellt sich die Frage nach redaktionell gestalteten Inhalten zu Programmen, die demnächst ausgestrahlt werden sollen. Eine mögliche Antwort könnte ein Magazin zu einer täglichen Sendung sein, das weitere Informationen und Inhalte ausschließlich auf YouTube bietet. Eine solche Erweiterung kann natürlich zur Stärkung der Marke beitragen, aber auch Interesse für andere Programme wecken. Hierbei würde sicherlich der spitze Bleistift der schönen Idee einen Strich durch die Rechnung machen, da hier die Produktionskosten im Wege stehen könnten – doch wäre es mit Sicherheit der richtige Ansatz. Reine Trailer sind – wie schon gesagt – sicherlich nicht zielführend, da durch die Veröffentlichungen von On-Air-Trailern für den YouTube-User keine Affinität zum Sender aufgebaut wird. Jetzt müssen die Sender nur noch abwägen, ob der Einsatz von Programminhalten auf YouTube lohnt.

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