YouTube und seine Netzwerke
YouTube-Netzwerke - diese Formen gibt es. © Ingvar Bjork / Shutterstock.com

YouTube und seine Netzwerke

Mit YouTube hat Google 2006 eine seiner größten und erfolgreichsten Übernahmen getätigt. Das Videoportal war dem Internetgiganten 1,65 Milliarden US-Dollar wert – eine Investition, die sich bis heute durch und durch ausgezahlt hat. Denn heute gehört YouTube zu den größten Social Networks und ist die weltweit größte Plattform für Videos. Dass sie das ist, zeigt eine Google Statistik. Laut ihr werden monatlich sechs Milliarden Stunden Videomaterial von einer Milliarde Nutzern konsumiert. Außerdem sollen 100 Stunden Videomaterial pro Minute hochgeladen werden. Das sei mehr Material binnen 30 Tagen als die größten amerikanischen TV-Gesellschaften ABC, CBS und NBC in den vergangenen drei Jahrzehnten geschafft haben. Diese zwei erstaunlichen Fakten verdeutlichen die Erfolgsgeschichte von YouTube und aus ihr haben sich weitere gebildet, beispielsweise aus YouTube-Netzwerken und Multi-Channel-Networks.

Was sind YouTube-Netzwerke?

  • Zusammenschluss von zwei oder mehreren YouTube-Kanälen
  • Sie verfolgen durch das Sammeln von Inhalten Ziele gegenüber YouTube und am Markt
  • Lizensierte sowie eigen- und koproduzierte YouTube-Channels werden zusammengefasst und vermarktet

Wie unterscheiden sich YouTube-Netzwerke und Multi-Channel-Networks?

Im Gegensatz zu den YouTube-Netzwerken räumt die Videoplattform ihnen Sonderrechte ein, die im Vorfeld vertraglich festgelegt worden sind. Das kann zum Beispiel eine (nicht exklusive) Vermarktung der Reichweite sein.

Ziel beider Formen ist in erster Linie eine Steigerung der Reichweite auf YouTube durch Aufbau eines großen Publikums, zahlreiche Abonnenten und einer gut strukturierten Community. Um finanziellen Nutzen zu haben, wird Werbung zwischen den einzelnen Videos eingespielt. Diese kann durch das Netzwerk, aber auch von YouTube akquiriert werden. 45 Prozent gehen dabei an Googles Videoplattform selbst, der Rest wird zwischen dem Netzwerk und den YouTubern aufgeteilt. Bei Product Placement verdient YouTube jedoch nichts.

Der Nutzen für YouTuber

Für YouTuber, also die Betreiber von Kanälen, können diese Netzwerk-Unternehmen ziemlich hilfreich sein, denn oftmals mangelt es an Erfahrung und Geld. Die Netzwerke übernehmen dabei in der Regel folgende Hauptaufgaben:

  • Steigerung der Reichweite,
  • Vermarktung, unter anderem Werbung, Product Placement und Merchandising,
  • Unterstützung bei der Produktion wie die Bereitstellung von Lizensen (Musik, Bilder etc.) bis hin zur kompletten Videoerstellung und
  • Support-Aufgaben wie Community- und Kanal-Management.

YouTuber sind dabei mehr oder minder auf Netzwerke angewiesen, da sie sonst oftmals keine Chance haben entdeckt zu werden, oder ein finanzieller Nutzen nahezu ausgeschlossen ist. Da sich aber die einzelnen Gruppen und Charaktere unterscheiden und nicht jedes YouTube-Netzwerk entsprechend alle Kategorien bedienen kann, haben sich verschiedene Arten von YouTube-Netzwerken gebildet und mit ihnen die Big Player im Business.

Vollprogramm-Netzwerke bei YouTube und eine Auswahl an Big Playern

  • Decken alle oben genannten Hauptleistungen ab
  • Besitzen eine eigene Vermarktungseinheit
  • Verfügen über ein breites Spektrum an Kanälen
  • Zum Teil automatisierte Betreuung kleinerer Kanäle
  • Eigene Tools und Plattformen vorhanden

Mediakraft

  • Bekanntestes YouTube-Netzwerk in Deutschland
  • Gegründet von YouTubern für YouTuber
  • Mehrere Subnetzwerke vorhanden, bspw. in den Bereichen Beauty und Fashion
  • Mehr als 100 Mitarbeiter
  • Über 1000 Kanäle und 300 Millionen Videoabrufe im Monat

Beliebt: YTITTY

Screenshot: https://www.youtube.com/user/YTITTY

Screenshot: https://www.youtube.com/user/YTITTY

AwesomenessTV

  • Übernahme von DreamWorks
  • Über 30 Mitarbeiter
  • Mehr als 85.000 Kanäle und 450 Millionen Videoabrufe monatlich

Beliebt: Austin Mahone

Screenshot: https://www.youtube.com/user/AustinMahone/featured

Screenshot: https://www.youtube.com/user/AustinMahone/featured

Nischen-Netzwerke auf YouTube und eine Auswahl an Big Playern

  • Bedienen sich an speziellen Genres wie Musik und Games

IDG Germany

  • Bedient überwiegend Gaming und Let’s Plays
  • Über 100 Millionen Aufrufe bei ca. 200 Kanälen

Beliebt: PietSmiet

Screenshot: https://www.youtube.com/user/PietSmittie

Screenshot: https://www.youtube.com/user/PietSmittie

Kontor Records

  • Ungefähr 50 Kanäle mit über 50 Millionen monatlichen Aufrufen

Beliebt: Kontor.TV

Screenshot: https://www.youtube.com/user/kontor

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Diensleistungs- und Service-Fokus auf YouTube und eine Auswahl an Big Playern

  • Keine eigene Vermarktung und aktive Produktion von Inhalten
  • Stellen Tools und Services zur Verfügung
  • Verstehen sich als Dienstleister von YouTubern, Produzenten und Marken

Broadband TV

  • Broadband TV stellt für seine Kunden Tools und Services zur Verfügung
  • Es arbeiten weit mehr als 200 Mitarbeiter für das Unternehmen
  • Kunden sind unter anderem Sony Music und Universal
  • In den USA gibt es eine Reichweite von mehr als 135 Millionen Videoaufrufe im Monat

Talent- und Produzenten-Fokus auf YouTube und eine Auswahl an Big Playern

  • Fokus liegt auf der Entwicklung von Produzenten und Talenten
  • Zum Teil findet eine Zusammenarbeit mit erfolgreichen YouTubern statt
  • Vermarktung und Entwicklung der Talente bzw. Produzenten
  • Reichweite setzt nicht auf Masse, sondern auf Qualität

Endemol Beyond

  • Weltweite Vermarktung von Inhalten
  • Mehr als 300 digitale Kanäle vorhanden
  • YouTube-Channels mit Veröffentlichungen im TV möglich

Beliebt: Survival Guide

Screenshot: https://www.youtube.com/user/TheParentingGuide

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“Fernsehmacher müssen auch in 10 Jahren noch ein gesellschaftlich relevantes Medium bedienen.“

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YouTube als Ganzes betrachtet und die YouTube-Netzwerke sind mit Sicherheit in der Lage den etablierten TV-Sendern Zuschauer zu entziehen, vor allem junges Publikum, und sie tun es bereits. Das gute alte Fernsehvergnügen auf dem Sofa ist dennoch kein aussterbendes Geschäftsmodell.

Wir Fernsehmacher müssen nur aufpassen, dass wir in den nächsten 5 bis 10 Jahren immer noch ein Medium bedienen, das in der Gesellschaft relevant ist. Durch Video-on-Demand-Dienste wie Netflix hat das klassische Fernsehen ohnehin Konkurrenz bekommen und wenn das Tempo der Internetdienste weiterhin so bleibt, dann haben wir vom TV noch mehr Druck dem Ganzen gerecht zu werden. Einzig und allein Qualität und Kreativität sind die Stärken, mit denen die TV-Industrie punkten kann. Hinzu kommen professionelle Strukturen und effektivere Finanzierungsmodelle.

Fazit: YouTube kann künftig auch als Chance für das klassische Fernsehen angesehen werden, wenn die richtigen Schlüsse aus den YouTube-Erfolgen gezogen und TV- sowie Video-Experten und –Macher inspiriert werden.

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