5 Thesen: So entwickelt sich der TV-Markt in der Zukunft – Warum klassisches TV zunehmend an Bedeutung verliert
Klassisches TV verliert zunehmend an Bedeutung. Foto: Boris Rabtsevich/Shutterstock

5 Thesen: So entwickelt sich der TV-Markt in der Zukunft – Warum klassisches TV zunehmend an Bedeutung verliert

Die TV-Branche befindet sich offenkundig in einem Dilemma. Immer mehr digitale Dienste wie Netflix und Amazon Instant Video strömen auf den Markt und machen den etablierten TV-Sendern Konkurrenz. Dass die Dienste angenommen werden, zeigt die steigende Beliebtheit von Video-on-Demand (VoD).

Kein Wunder: Zuschauer können hier selbst bestimmen, wann und wie sie Inhalte konsumieren. Ob mit Pausen, nach Belieben auf dem Fernseher, im Wohnzimmer, dem Smartphone, im Zug – hier wird der Zuschauer selbst zum Programmmacher.

Aktuelle Entwicklungen und eine Umfrage aus dem Jahr 2014 unterstreichen das. Laut BITKOM soll bereits jeder dritte Nutzer von Videostreaming das klassische TV durch die neuen VoD-Angebote ersetzen. Steigt diese Zahl in den kommenden Jahren an, werden diese folgenden Thesen bald der Realität entsprechen.

1. Die Nutzer wollen flexible digitale Angebote

Zuschauer wollen verstärkt unabhängig sein und sich nicht nach Zeiten richten. Sie greifen verstärkt auf VoD-Anbieter zurück – hier können sie die eigenen Macher ihres Programmschemas sein, werden nicht durch Werbung aus Szenen gerissen, können jederzeit und überall TV bedienen.

Schon heute zeigt sich deutlich, dass Zuschauer verstärkt in VoD investierten anstatt in Pay-TV. Das klassische Fernsehen verliert zunehmend an Bedeutung. Neue TV-Boxen und eine immer schnellere digitale Infrastruktur verstärken das.

2. Das junge Publikum kehrt TV-Sendungen den Rücken

Kinder und Jugendliche nutzen Smartphone und Tablet täglich. Schon lange nicht mehr nur, um mit Freunden zu kommunzieren. Die technischen Geräten dienen dazu, Videos auf YouTube zu schauen und entsprechende Web-Serien zu streamen.

Das klassische Medium Fernsehen wirkt für sie uninteressant, nicht mehr hip und aktuell, zu langsam. Serien und Formate, wie wir sie einst kannten, sprechen die Teenager wenig an. Heute sind es die YouTube-Stars mit ihren entsprechenden Formaten.

TV-Sender verlieren somit eine wichtige Zielgruppe und auch die werberelevante der 14-49-Jährigen. Es kommt neben sinkender Zuschauerzahlen zu Werbeeinbußen – die Refinanzierung erweist sich als immer schwieriger.

3. Amazon und Netflix werden Marktführer

Netflix und Amazon produzieren immer mehr ihre eigenen Serien-Hits, die exklusiv über ihre Plattformen angeboten werden. Selbst Woody Allen wird exklusiv für Amazon produzieren.

Beide Anbieter steigen außerdem in die Produktion von (Kino-)Filmen ein. Netflix wirkt beispielsweise an der Produktion des zweiten Teils des Kino-Hits „Tiger & Dragon“ mit –  erscheint der Film im Kino, wird er auch auf Netflix ausgestrahlt. Der Vorteil: Zig Freunde können sich den Film in den eigenen vier Wänden anschauen und nicht jeder Einzelne muss in ein Kinoticket investieren.

Erste Serien wie „Better Call Saul“ stammen nicht aus den eigenen Filmstudios, werden dennoch zuerst über Netflix angeboten statt im deutschen Free- oder Abonnenten-TV.

Meine Prognose: Die Internet-Riesen bauen zunehmend ihre Machtposition aus, erhöhen die Zahl der Subscriber (Kundenstamm) und erzielen hohe Zuschauerreichweiten. Durch immer größer werdendes Kapital werden sie in Zukunft der Einkäufer schlechthin und verdrängen klassische TV-Sender von dieser Führungsposition.

4. Erfolgreiche US-Serien schaffen es nicht mehr ins TV-Programm

Die wachsende Vormachtstellung der Streaming-Riesen Amazon, Netflix & Co macht es zunehmend schwieriger für traditionelle TV-Häuser, Rechte an US-amerikanischen Serien für sich zu sichern und ihren Zuschauern weiterhin attraktive Lizenzware zu bieten. Dies kann dazu führen, dass Privatsender sich nur noch an weniger erfolgreicher US-Ware bedienen.

Deshalb steht die deutsche Eigenproduktion im Fokus, die dann immer auch das Problem der Refinanzierung mit sich bringt. Hier ist es meiner Meinung nach erforderlich, internationale Allianzen zu schmieden, die eine weltweite Vermarktung wahrscheinlicher machen.

5. Klassische TV-Sender werden zu reinen Entertainment-Sendern

Der Zukauf von Serien hoher Qualität erweist sich als immer schwieriger. Die Sender sind zum Umdenken gezwungen, da es ihnen nicht mehr möglich ist, für ein entsprechendes Film- und Serienerlebnis zu sorgen. Sie bedienen sich zunehmend an Nischen, die jedoch durch einen stark regionalen, territorialen Charakter interessant sein können.

Ich halte es für wahrscheinlich, dass die uns bekannten Sender nahezu durchgängig Unterhaltungsprogramme wie Casting-Shows, Reality-Formate etc. mit großem Event-Charakter anbieten werden.

Sie möchten mehr über die Zukunft der TV-Branche erfahren?

Wie hat Dir dieser Beitrag gefallen?

Kommentare zu "5 Thesen: So entwickelt sich der TV-Markt in der Zukunft – Warum klassisches TV zunehmend an Bedeutung verliert"