Wie Raubkopierer Netflix attraktiver machen
Wie Raubkopierer Netflix attraktiver machen © Cherries @ Shutterstock.com

Wie Raubkopierer Netflix attraktiver machen

Auf dem von mir prognostizierten Weg zum TV-Marktführer setzt Netflix auf innovative Methoden. Bei all der Werbung für neue, qualitativ hochwertige Eigenproduktionen wie „House of Cards“ oder „Daredevil“ kommt oft zu kurz, wie Netflix seine Marktposition zusätzlich mit unscheinbaren Maßnahmen stärkt.

Dabei fällt besonders auf, dass sich der Video-On-Demand-Service an illegalen BitTorrent-Angeboten, also der Film-Piraterie orientiert. Nicht nur, dass das Unternehmen illegale Streaming-Angebote als ernsthafte Konkurrenz wahrnimmt: Film-Piraterie spielt auch bei der Preisgestaltung des Abonnement-Modells eine wesentliche Rolle.

So bestätigte Netflix-Finanzchef David Wells, dass der Konzern seine Preise anhand der lokalen Popularität illegaler Downloads berechnet. Beziehen potentielle Kunden in einem bestimmten Land also überdurchschnittlich viele Filme und Serien über rechtswidrige Kanäle, so bleiben auch die Preise für ein Netflix-Abo im unteren Bereich, um konkurrenzfähiger zu sein.

Was bei BitTorrent läuft, ist für Netflix relevant

Das Angebot hängt zum Teil genauso vom derzeitigen Trend in der Raubkopierer-Szene ab. Die weltweit rund 18 Milliarden Dateien, die jährlich über Torrents geteilt werden, dienen Netflix als Indikator für Beliebtheit von bestimmten Formaten. Ist beispielsweise eine Serie wie „Prison Break“ bei Raubkopierern in den Niederlanden sehr beliebt, entscheidet sich Netflix, diese dort ins Angebot aufzunehmen.

Dass dieses Big-Data-Prinzip von Netflix funktioniert, lässt sich an der Bilanz des ersten Quartals 2015 ablesen, in dem die Zahl der Abonnenten um rund 5 Millionen auf 62 Millionen anstieg. Mitverantwortlich für diesen Positivtrend wird die neue Staffel „House of Cards“ gemacht – ein Musterbeispiel für Netflix’ Kundenanalyse.

Der Konzern hielt einen Erfolg der Serie für wahrscheinlich, weil Schauspieler Kevin Spacey, Regisseur David Fincher, Politserie und die BBC-Original-Serie House of Cards beliebte Begriffe bei Suchanfragen waren. Nach dem gleichen Prinzip wird in Zukunft wohl auch die Film-Piraterie Bestellungen neuer Serien und Filme beeinflussen.

Warum lange Wartezeiten auch bei Netflix das große Manko bleiben

Netflix könnte seine Attraktivität so noch weiter steigern – auch für einen Teil der Raubkopierer. Denn viele Nutzer illegaler Angebote streamen mit einem schlechten Gewissen. Diesen potentiellen Kundenstamm werden Netflix oder auch Amazon Instant Video über kurz oder lang durch perfekt zugeschnittene Angebote und die bessere Bildqualität für sich gewinnen können.

“Desto mehr illegale Downloads, umso günstiger ist #Netflix – wie Raubkopierer die Preise bestimmen.“

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Natürlich sollten wir uns nichts vormachen: Das große Manko aller legalen Anbieter ist und bleibt das eingeschränkte Angebot bzw. die lange Wartezeit, die weltweit durch die Vermarktungsstrategien der Filmindustrie entstehen. Nicht umsonst strebt Netflix einheitliche Lizenzmodelle an, um Kinofilme und TV-Serien zu einem möglichst frühen Zeitpunkt bereitstellen zu können. Dann könnte der deutsche Abonnent auch endlich die gleichen Inhalte sehen wie der amerikanische Netflix-Nutzer.

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