Big Data: Das neue „Öl“ der Filmindustrie?
Ist Big Data das neue Öl der Filmindustrie? | © Maksim Kabakou @ Shutterstock.com

Big Data: Das neue „Öl“ der Filmindustrie?

In kürzester Zeit ist Big Data zu einem der Schlüsselfaktoren geworden, wenn es darum geht, welche Filme, Serien oder Videos uns als Zuschauer erreichen. Die Auswertung der immensen Datenberge bestimmt immer mehr, welche Inhalte produziert und ob sie überhaupt vermarktet werden.

Das User-Verhalten beeinflusst auch Thema und Dramaturgie der Formate, weil der Zuschauer nicht mehr länger nur Konsument ist. Im Second Screen kommentiert er Programme interaktiv und in Echtzeit, was immer schnellere Rückschlüsse auf seine Vorlieben zulässt. Es drängt sich also die Frage auf: Ist Big Data das neue Öl der Filmindustrie?

Ob’s an der Kinokasse klingelt? Big Data sagt’s voraus!

Kein Produzent oder Filmemacher möchte mit seinem Werk auf der Liste der größten filmischen Fehlschläge bei Wikipedia landen. Doch so hoch der Etat auch ist, so gut die schauspielerische Besetzung oder so spektakulär die Special Effects – eine Garantie für den Erfolg an der Kinokasse oder im TV waren und sind all diese Faktoren nicht.

Heute kann anhand von Big Data, bevor ein Kinofilm veröffentlicht wird, genauer eine Zielgruppe zugeordnet und der Film entsprechend zielgerichteter vermarktet werden. Eine Marketing-Strategie ließe sich bspw. kurz vor dem Kinostart noch einmal aufgrund einer Google-Analyse optimieren. Der Suchmaschinenriese fand heraus, dass Kinogänger im Schnitt 13 unterschiedliche Quellen nutzen, um sich über das künftige Angebot zu informieren. Laut einem Google Whitepaper sagt der Konzern mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent den Erfolg oder Misserfolg einer Produktion am Startwochenende voraus. Die Analyse der Trailer-Klickzahlen macht sogar bereits vier Wochen vor dem Start eine realistische Prognose möglich.

Unsere Sehgewohnheiten verändern Handlung und Dramaturgie

Darüber hinaus beeinflusst Big Data auch, was wir – abhängig von der jeweiligen Vermarktungsstrategie – überhaupt im Vorfeld zu Gesicht bekommen. So können bestimmte Zielgruppen zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt adressiert werden, in einer personalisierten Art und Weise, wie sie nie möglich war. Ob mit lang geplanten Werbekampagnen, über Last-Minute-Clips in den sozialen Netzwerken oder andere Marketing-Maßnahmen: Unser Nutzerverhalten und die daraus resultierenden Daten prägen, was wir sehen.

Unsere Sehgewohnheiten verändern allerdings nicht nur das Marketing, sondern auch die Produktionsweise und Dramaturgie von Serien und Filmen. Handlungsbögen werden immer weiter gespannt und die für das klassische TV vorgesehenen Werbe-Breaks fallen zunehmend weg.

“#BigData beim Film: Unsere Sehgewohnheiten verändern Handlung und Dramaturgie. #Fernsehkonsum“

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Es werden völlig neue Erzählstrukturen fernab der 90-minütigen Fernseh-Filme oder wöchentlichen Serien-Episoden möglich. Filmemacher können ihre Geschichten so optimal gestalten, dass sie ihr Ziel – nämlich das Publikum zu unterhalten und zu fesseln – viel wahrscheinlicher erreichen werden. Netflix liefert mit der Entstehungsgeschichte seines Erfolgsformats “House of Cards” wohl das beste Beispiel für den Einsatz von Big Data. Dass immer gleich alle Episoden einer neuen Staffel gleichzeitig zum Abruf zur Verfügung stehen, ist eine weitere Reaktion auf die Sehgewohnheiten der Nutzer.

Big Data funktioniert immer nur retrospektiv

Garantien für ähnliche Erfolge wie jenen von “House of Cards” liefert aber auch Big Data nicht. Denn Interpretationsschwierigkeiten, warum bestimmte Filme, Serien oder einzelne Schauspieler beliebt sind, gibt es nach wie vor. Die Analyse der Datenberge geschieht immer retrospektiv und kann deshalb nicht allheilbringend eingesetzt werden, zumal erfolgreiche Dinge dann nachempfunden und sich alles ständig wiederholen würde. Formate oder Geschichten könnten sich nicht mehr entwickeln und neue Ideen würden – ohne Garantie auf Erfolg – nicht weiter verfolgt.

“Unsere Daten bestimmen, wann und was wir sehen. #BigData #Fernsehkonsum #Video“

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Eine inhaltliche Tristesse kann nicht Ziel von Datenanalysen sein. Sie dürfen Filmemacher unterstützen, ihnen aber nicht „die Hände binden“. Filme sollten deshalb nach wie vor um ihrer selbst Willen, also wegen der Vision, der guten Idee gedreht werden – und keine Handlung verfolgen, die nur auf Basis von Big Data Analysen konzipiert wurde. Nichtsdestotrotz gilt es, den Einsatz von Big Data immer weiter zu optimieren, um so ein Höchstmaß an Antizipationvermögen mit in den Ring zu werfen, wenn es darum geht: The Next Big Thing zu finden.

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