Video on Demand: Der Siegeszug der Serials
Video on Demand: Der Siegeszug der Serials | © Ammentorp Photography @ Shutterstock.com

Video on Demand: Der Siegeszug der Serials

Netflix, Amazon Instant Video, Maxdome & Co. – Streaming-Dienste werden immer populärer. Die Vorteile von Video on Demand (VoD) liegen auf der Hand: Filme und Serien sind jederzeit abrufbar, es gibt keine lästige Werbung und die Nutzer werden dank Big Data Analysen mit Inhalten versorgt, die auf ihre Sehgewohnheiten zugeschnittenen sind.

Der VoD-Trend bringt also vor allen Dingen Unabhängigkeit – für den Konsumenten, aber auch für den Produzenten. Am besten ist diese Entwicklung anhand der Serienproduktionen zu beobachten, bei denen horizontale, komplexere Erzählformate auf dem Vormarsch sind. Serials werden gegenüber Procedurals immer beliebter.

Procedural und Serial – wo ist der Unterschied?

Beim Procedural wird innerhalb einer Episode ein Problem vorgestellt, untersucht und auch gelöst. Häufig spielen diese Serien im Polizei-Milieu, wie bspw. bei „CSI Miami“, „Castle“ oder „Monk“. Doch auch Comedies wie „Two and a Half Man“ oder die Arztserie „Dr. House“ folgen einem festgeschriebenen Verlauf und die Ausstrahlungsreihenfolge der einzelnen Episoden spielt selten eine Rolle, um der Handlung folgen zu können.

Das Serial hingegen ähnelt einem Spielfilm im Serienmantel – schließlich kommt der Begriff auch aus dem Kino und bezeichnet dort die Serien-Filme der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte, Probleme und Figuren entwickeln sich im Verlauf mehrerer Episoden, einer Staffel oder sogar der ganzen Serie.

“#Cliffhanger werden zum Trumpf für @Netflix & Co. Über den Siegeszug der #Serials. #VOD #TV“

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Die Reihenfolge, in der man Folgen von „True Detective“, „Transparent“ oder „House of Cards“ anschaut, ist keinesfalls mehr unerheblich. Wie viele „Lost“- oder „24“-Fans mussten sich Anfang der 2000er darüber ärgern, wieder einmal eine Folge verpasst zu haben? Heute können sie ihre Lieblingsserie in einem Rutsch online streamen, während Serials für das klassische Free-TV zunehmend ein Problem darstellen.

Serials werden zum Trumpf für Netflix & Co.

Bereits vor Jahren schaffte RTL es nicht, die vielfach ausgezeichnete Premium-Serie „Band of Brothers“ in seinem Programm unterzubringen. Letztlich wurden die zehn Episoden bei RTL II „versendet“. In Zeiten von Video on Demand ist diese Entwicklung immer häufiger zu beobachten. Schließlich schaut sich niemand „House of Cards“ mit Werbung und zu festen Sendeterminen auf Sat.1 an, wenn Streaming-Dienste Binge Watching ermöglichen.

Die Serials-Zielgruppe scheint fürs deutsche Free-TV längst verloren zu sein. Die fortlaufenden Handlungen und Cliffhanger am Ende einer Folge werden mehr und mehr zum Trumpf für Netflix & Co., die deshalb verstärkt auf Serien setzen und an Eigenproduktionen arbeiten.

Mit diesen kämpfen sie vor allem um das Stammpublikum der großen Programmanbieter in den USA, wo eine über Jahre gewachsene „Serienkultur“ die Ausstrahlung und Produktion preisgekrönter Formate wie „Masters of Sex“ immer (noch) lohnenswert macht. Gemessen am Free-TV ist der Quotendruck auf dem amerikanischen Markt jedoch auch geringer – nicht umsonst landete „Masters of Sex“ in Deutschland im „Alternativprogramm“ von ZDFneo.

“#VOD verhilft #Serials zum Sieg. Warum #Serien mit komplexer Handlung immer interessanter werden.“

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Auch zukünftig dürften die Öffentlich-Rechtlichen das ein oder andere Serien-Highlight anzubieten haben. Insgesamt bewahrheitet sich aber meine Prognose, dass es ohne neue Allianzen schwerer wird, qualitativ hochwertige US-Serien im deutschen Free-TV zu zeigen. Die VoD-Anbieter hingegen werden immer regelmäßiger eigene Serials produzieren und erfolgreiche US-Serien in einem Rutsch freischalten. Dieser Trumpf sticht jede andere Karte des klassischen Fernsehens aus.

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