TV als Second Screen: Wenn Fernsehen zur Strafe wird
TV als Second Screen: Wenn Fernsehen zur Strafe wird | © Pressmaster @ Shutterstock.com

TV als Second Screen: Wenn Fernsehen zur Strafe wird

„Ein Bildschirm ist nicht genug“ – so könnte das Motto lauten, unter dem das klassische Fernsehen seit einigen Jahren um seine Zuschauer buhlt. Mit Second-Screen-Angeboten auf dem Smartphone oder Tablet soll das Programm erlebbar und ein neues multimediales TV-Erlebnis geschaffen werden – so wie es die Öffentlich-Rechtlichen zur Fußball-WM eindrucksvoll realisieren konnten. Doch was, wenn sich die Kräfteverhältnisse zwischen Fernsehgerät und mobilen Geräten längst verschoben haben?

Eine jüngst veröffentlichte Studie aus den USA zeigt, dass Kinder sich lieber mit einem Smartphone oder Tablet beschäftigen als vor dem Fernseher zu sitzen – vorausgesetzt, die mobilen Geräte sind auch vorhanden. Das gute alte Fernsehverbot als Druckmittel hat sich in diesen Haushalten längst erledigt. Vielmehr setzen zahlreiche amerikanische Eltern das TV-Programm sogar als Bestrafung ein.

Das klassische Fernsehen verliert seinen Nachwuchs

Der Trend geht dahin, dass nicht das mobile Endgerät, sondern der Fernseher selbst zum Second Screen wird. Dem linearen TV kommt nach und nach sein „Nachwuchs“ abhanden, denn treue TV-Zuschauer werden die genannten Kinder unter den aktuellen Voraussetzungen sicher nicht. Die Krise der amerikanischen Kinderkanäle, die derzeit bis zu 30 Prozent ihrer Reichweite in der jüngsten Zielgruppe einbüßen, ist Ausdruck dieser Entwicklung.

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Doch warum verliert das Fernsehen gerade für die ganz Jungen zunehmend an Attraktivität? Was bieten Filme und Videos auf dem Tablet, was nicht auch das TV-Programm liefern kann? Neben den offensichtlichen Gründen – nämlich die Unabhängigkeit von Sendezeiten und die fehlende Werbung bei Video-on-Demand-Angeboten – sind noch weitere Dinge mitentscheidend:

  • Kinder folgen neuen Stars auf YouTube & Co., mit denen sie groß werden
  • YouTube-Kanäle bieten durch das Abonnement und Abbestellen mehr Kontrolle
  • Streaming-Dienste und Video-Portale liefern eine effektive Suche nach Inhalten
  • Videos können wiederholt abgespielt werden – immer und immer wieder
  • der „Face-to-Face“-Konsum auf dem Tablet vermittelt das Gefühl, das Gesehene für sich zu haben und nicht teilen zu müssen

Eben dieses Gefühl bietet das klassische Fernsehen „im offenen Raum“ zu oft nicht. Hinzu kommen ein Mangel an Kontrolle und die fehlenden Möglichkeiten zur Interaktion. In diesen Bereichen hat der TV-Markt nach wie vor großen Nachholbedarf.

Unabhängigkeit und Kontrolle werden zu den wichtigsten Faktoren

Wollen sie die jungen Zuschauer zurückgewinnen, werden sich etablierte Sender in naher Zukunft breiter aufstellen und selbst qualitativ hochwertige Second-Screen-Angebote liefern müssen. Hierbei stellt sich immer die Frage, wie sich soziale Netzwerke in Formate einbinden lassen und welche Plattform für das jeweilige Konzept auch wirklich geeignet ist.

“Smartphone und Tablet laufen dem #TV den Rang ab. Der #Fernseher wird selbst zum #SecondScreen.“

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Das wichtigste Stichwort heißt allerdings Kontrolle! Dem modernen Zuschauer geht es immer mehr um Unabhängigkeit und Personalisierung, also darum, dass sein TV-Programm auf seine Vorlieben zugeschnitten wird. Die Sender müssen den Zuschauer auf ihr Programm einwirken und an der Entstehung mitwirken lassen – nur dann bieten sie echtes Social TV und können mit YouTube & Co. konkurrieren. Vielleicht lässt sich die neue Generation dann auch wieder „zurück vor den Fernseher“ holen.

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